
Susanne Knofe
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Expertin für Baufinanzierung
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Stand: 18. März 2026
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In der klassischen Baufinanzierung bringen Käufer Eigenkapital ein. Üblich sind etwa 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten. Dieses Eigenkapital reduziert das Risiko für die Bank und verbessert die Konditionen.
Bei einer 110 %-Finanzierung entfällt dieser Eigenkapitalanteil vollständig. Stattdessen finanziert die Bank nicht nur den Kaufpreis der Immobilie, sondern zusätzlich auch die Nebenkosten.
Zu diesen Nebenkosten gehören unter anderem:
Da diese Kosten schnell 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises ausmachen, ergibt sich der Begriff „110 %-Finanzierung“. In Einzelfällen sind sogar noch höhere Finanzierungsquoten möglich, diese sind jedoch deutlich schwieriger umzusetzen.
In der Praxis wird eine solche Finanzierung häufig über zwei Darlehen strukturiert. Ein Darlehen deckt den Kaufpreis ab, ein weiteres die Nebenkosten. Seltener erfolgt alles über einen einzigen Kredit.
Noch vor einigen Jahren galt die Regel: Ohne Eigenkapital keine Immobilie. Heute ist das differenzierter zu betrachten.
Banken sind grundsätzlich bereit, höhere Risiken einzugehen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Entscheidend ist dabei nicht nur das fehlende Eigenkapital, sondern das Gesamtbild des Kreditnehmers.
Wenn Einkommen, Bonität und Objektqualität stimmen, kann die Bank das Risiko kalkulieren und eine Vollfinanzierung darstellen. Trotzdem bleibt diese Finanzierungsform die Ausnahme und nicht die Regel.
So attraktiv eine 110 % Finanzierung klingt, so anspruchsvoll sind die Voraussetzungen. Banken prüfen hier deutlich strenger als bei klassischen Finanzierungen.
Hohes und sicheres Einkommen
Die wichtigste Voraussetzung ist ein stabiles Einkommen. Idealerweise besteht ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit regelmäßigem Gehalt.
Selbstständige oder Freiberufler haben es deutlich schwerer, da ihre Einnahmen stärker schwanken. Möglich ist eine Finanzierung dennoch, allerdings meist mit strengeren Prüfungen.
Sehr gute Bonität
Eine einwandfreie Bonität ist zwingend erforderlich. Negative Schufa-Einträge führen in der Regel direkt zur Ablehnung.
Auch bestehende Kredite oder finanzielle Verpflichtungen werden berücksichtigt und können die Finanzierung erschweren.
Attraktive Immobilie
Die Immobilie ist die Sicherheit der Bank. Deshalb wird genau geprüft, ob sie im Zweifel gut verwertbar ist.
Bevorzugt werden:
Schwer verkäufliche Objekte oder stark renovierungsbedürftige Immobilien werden deutlich kritischer bewertet
Solide Haushaltsrechnung
Die monatliche Rate sollte in einem gesunden Verhältnis zum Einkommen stehen. In der Praxis liegt die Grenze oft bei etwa 35 bis 40 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens.
Nicht jede Bank bietet eine Vollfinanzierung an. Viele Kreditinstitute lehnen solche Modelle grundsätzlich ab, da das Risiko höher ist.
Dennoch gibt es Banken, die sich auf diese Finanzierungen spezialisiert haben oder sie unter bestimmten Voraussetzungen anbieten. Entscheidend ist hier der Zugang zu einem breiten Markt.
Ein einzelnes Gespräch bei der Hausbank reicht oft nicht aus. Ein Vergleich mehrerer Anbieter erhöht die Chancen deutlich.
Ein zusätzlicher Vorteil: Manche Banken bewerten bestimmte Faktoren anders, etwa Einkommen, Immobilie oder berufliche Situation.
Tipp: Ein zweiter Kreditnehmer mit guter Bonität und festem gutem Einkommen erhöht die Kreditwürdigkeit.
Eine 110 % Finanzierung ist möglich, aber nicht ohne Risiko. Deshalb ist es wichtig, die Finanzierung besonders stabil aufzubauen.
Höhere Zinsen realistisch einplanen
Ohne Eigenkapital steigt das Risiko für die Bank. Dieses Risiko wird über höhere Zinsen ausgeglichen.
Das bedeutet: Die Finanzierung ist von Anfang an teurer als eine klassische Baufinanzierung.
Absicherung nicht unterschätzen
Gerade bei hohen Darlehenssummen ist eine Absicherung sinnvoll. Dazu gehören beispielsweise:
Diese schützen vor finanziellen Engpässen bei unerwarteten Ereignissen.
Rücklagen aufbauen
Auch ohne Eigenkapital beim Kauf sollten finanzielle Reserven vorhanden sein. Unerwartete Reparaturen oder Kosten können sonst schnell zur Belastung werden.
Eine einfache Orientierung ist eine monatliche Rücklage für Instandhaltung.
Zinsrisiko berücksichtigen
Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt eine Restschuld bestehen. Wenn die Zinsen dann höher sind, kann die Anschlussfinanzierung deutlich teurer werden.
Gerade bei Vollfinanzierungen ist dieses Risiko besonders relevant, da die Restschuld meist höher ist als bei klassischen Finanzierungen.
Tipp: Fördermöglichkeiten nutzen
Auch bei einer Finanzierung ohne Eigenkapital können Förderprogramme eine Rolle spielen. Programme der KfW bieten zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse, insbesondere für energieeffizientes Bauen oder Sanieren. In einigen Fällen wird ein KfW-Darlehen von Banken teilweise wie Eigenkapital bewertet. Das kann die Chancen auf eine Finanzierung verbessern und gleichzeitig die Gesamtkosten senken.
Käufer mit hohem Einkommen
Wer über ein stabiles und überdurchschnittliches Einkommen verfügt, kann fehlendes Eigenkapital häufig kompensieren.
Schnelle Kaufentscheidungen
Wenn sich eine attraktive Gelegenheit ergibt, kann eine Vollfinanzierung helfen, schnell zu handeln, ohne erst Eigenkapital ansparen zu müssen.
Liquidität erhalten
Manche Käufer verfügen über Vermögen, möchten dieses aber nicht einsetzen. Eine Vollfinanzierung kann in solchen Fällen sinnvoll sein, um liquide Mittel zu erhalten.
Neben den Vorteilen gibt es klare Nachteile, die nicht unterschätzt werden sollten.
Höhere Gesamtkosten
Durch höhere Zinsen und größere Darlehenssummen steigen die Gesamtkosten deutlich.
Längere Laufzeit
Die Rückzahlung dauert oft länger, da mehr Kapital finanziert wird.
Höheres Risiko bei Wertverlust
Fällt der Immobilienwert oder muss die Immobilie verkauft werden, kann es passieren, dass der Verkaufserlös nicht ausreicht, um die Restschuld zu decken.
Weniger finanzielle Flexibilität
Eine hohe monatliche Belastung kann den finanziellen Spielraum im Alltag einschränken.
Sinnvoll ist eine Vollfinanzierung vor allem dann, wenn:
Weniger sinnvoll ist sie, wenn:
Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital ist möglich, aber sie erfordert eine saubere Planung und eine realistische Einschätzung der eigenen Situation.
Nicht jede Vollfinanzierung ist automatisch sinnvoll. Entscheidend ist, ob sie langfristig tragfähig ist und zu Ihren Lebensplänen passt.
Wir unterstützen Sie dabei, herauszufinden, ob eine 110 %-Finanzierung für Sie infrage kommt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie sich die Finanzierung optimal strukturieren lässt.
Vereinbaren Sie jetzt einen Termin und erhalten Sie ein individuelles Angebot für Ihr Finanzierungsvorhaben.

Susanne Knofe
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Stand: 18. März 2026
3,75 %
Sollzins p.a
2 % anfängliche Tilgung
1.197,92 € monatliche Rate
Das Finanzierungsbeispiel ist für eine Immobilie mit Kaufpreis/Herstellungskosten von 400.000 Euro. Der Beleihungswert ist mit 70 % angenommen.
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