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Wie funktioniert eine 100-Prozent-Finanzierung?

susanne-knofe Baufin-Experte

Susanne Knofe

|

Expertin für Baufinanzierung

|

Stand: 26. März 2026

Das Wichtigste in Kürze

    • Mit einer 100-Prozent-Finanzierung lässt sich der Traum vom Eigenheim mit nur geringen finanziellen Mitteln ermöglichen.
    • Diese Finanzierungsform setzt ausreichend Eigenkapital voraus, um die Kauf- oder Baunebenkosten selbst bezahlen zu können.
    • Eine Baufinanzierung mit wenig Eigenkapital ist für die Banken riskant, daher sind die Zinssätze höher als bei einem klassischen Kredit.
    • Als Grundvoraussetzung gilt, dass die Kreditnehmer über ein hohes und sicheres Einkommen verfügen und eine gute Bonität vorweisen können.
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Was ist eine 100-Prozent-Finanzierung?

Bei einer 100-Prozent-Finanzierung wird der komplette Kaufpreis einer Immobilie über einen Kredit abgedeckt. Das bedeutet, dass kein Eigenkapital für den eigentlichen Immobilienwert eingebracht wird.

Wichtig ist die Abgrenzung zur sogenannten Vollfinanzierung. Während bei der 100-Prozent-Finanzierung die Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notar oder Makler selbst bezahlt werden, werden bei einer 110-Prozent-Finanzierung auch diese Kosten mitfinanziert.

In der Praxis bedeutet das: Sie benötigen zwar kein Eigenkapital für die Immobilie selbst, sollten aber dennoch Rücklagen für die Nebenkosten einplanen. Diese liegen je nach Region häufig zwischen 10 und 15 Prozent des Kaufpreises.

Warum sind die Zinsen bei wenig Eigenkapital höher?

Der zentrale Punkt ist das Risiko für die Bank.

Wenn Sie eine Immobilie ohne Eigenkapital finanzieren, trägt die Bank das vollständige Risiko. Sollte es zu Zahlungsausfällen kommen, kann die Immobilie im schlimmsten Fall nicht ausreichen, um den offenen Kredit vollständig zu decken.

Genau dieses Risiko wird über den Zinssatz eingepreist.

Je weniger Eigenkapital vorhanden ist, desto höher fällt in der Regel der Zins aus. Gleichzeitig steigt die gesamte Darlehenssumme, was die Finanzierung zusätzlich verteuert.

Ein weiterer Effekt ist, dass Banken bei solchen Finanzierungen deutlich genauer prüfen und konservativer kalkulieren. Das betrifft sowohl Ihre Einnahmen als auch Ihre monatlichen Ausgaben.

Experten empfehlen, mindestens 20 bis 30 Prozent des Gesamtbedarfs für die Baufinanzierung durch Eigenkapital zu decken. Ein Beispiel: Die Immobilie kostet 300.000 Euro. Zusätzlich fallen 30.000 Euro Nebenkosten für die Finanzierung an.

 

Im Optimalfall sollten die Erwerber mindestens 66.000 Euro, besser noch 99.000 Euro an Eigenkapital zur Baufinanzierung beisteuern, um gute Konditionen zu erhalten.

Welche Voraussetzungen gelten für eine 100-Prozent-Finanzierung?

Auch wenn diese Finanzierungsform grundsätzlich möglich ist, sind die Anforderungen deutlich höher als bei klassischen Baufinanzierungen.

Sicheres Einkommen

Eine zentrale Voraussetzung ist ein stabiles und ausreichend hohes Einkommen. Banken legen großen Wert darauf, dass die monatliche Rate langfristig tragbar ist. Ein unbefristeter Arbeitsvertrag und eine sichere berufliche Situation wirken sich dabei sehr positiv aus.

Gute Bonität

Ebenso wichtig ist eine gute Bonität. Negative Schufa-Einträge oder bereits hohe laufende Verpflichtungen können schnell zum Ausschluss führen. Banken möchten sehen, dass Sie in der Vergangenheit zuverlässig mit finanziellen Verpflichtungen umgegangen sind.

Alter

Auch das Alter spielt eine Rolle. Je jünger Sie sind, desto mehr Zeit bleibt für die Rückzahlung des Darlehens. Dadurch können Banken flexibler kalkulieren.

Sicherheiten

Zusätzlich prüfen Banken die vorhandenen Sicherheiten. Dazu zählen beispielsweise weitere Immobilien, Grundstücke oder Bürgschaften. Diese können helfen, das Risiko zu reduzieren und die Chancen auf eine Finanzierung zu erhöhen.

Welche Rolle spielt die Immobilie selbst?

Bei einer 100-Prozent-Finanzierung rückt die Immobilie stärker in den Fokus als bei anderen Finanzierungsformen.

Die Bank finanziert den gesamten Kaufpreis und ist damit vollständig auf den Wert der Immobilie angewiesen. Entsprechend streng fällt die Bewertung aus.

Besonders gute Chancen bestehen bei Immobilien, die sich in einem guten Zustand befinden und in gefragten Lagen liegen. Solche Objekte gelten als wertstabil und lassen sich im Zweifel besser verwerten.

Schwieriger wird es bei sanierungsbedürftigen Immobilien oder Objekten in Regionen mit geringer Nachfrage. Hier sehen Banken ein erhöhtes Risiko und lehnen Finanzierungen häufiger ab.

Hinweis: Bei den Nebenkosten eines Immobilienerwerbs oder Neubaus gibt es keinen materiellen Gegenwert. Dadurch erhöht sich das Finanzierungsrisiko für die Banken maßgeblich, was die Kreditvergabe erschwert.

Für wen kommt eine 100-Prozent-Finanzierung infrage?

Diese Finanzierungsform richtet sich vor allem an Personen, die über ein stabiles Einkommen verfügen, aber nur begrenzte Rücklagen aufgebaut haben.

Typische Beispiele sind junge Berufstätige oder Paare, die früh in den Immobilienmarkt einsteigen möchten. Auch Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst haben häufig gute Chancen, da ihr Einkommen als besonders sicher gilt.

Weniger geeignet ist die 100-Prozent-Finanzierung für Selbstständige oder Personen mit schwankendem Einkommen. Hier sind die Anforderungen deutlich schwerer zu erfüllen.

Welche Vorteile bietet eine 100-Prozent-Finanzierung?

Der größte Vorteil liegt darin, dass Sie nicht jahrelang Eigenkapital ansparen müssen. Gerade in einem Markt mit steigenden Immobilienpreisen kann das ein entscheidender Faktor sein.

Wer früh kauft, sichert sich die Immobilie zu aktuellen Preisen und beginnt sofort mit dem Vermögensaufbau. Gleichzeitig entfällt die doppelte Belastung aus Miete und Sparrate.

Ein weiterer Vorteil ist die Zeit. Je früher Sie mit der Tilgung beginnen, desto eher sind Sie schuldenfrei. Gerade im Hinblick auf das Rentenalter ist das ein wichtiger Aspekt.

Welche Nachteile sollten Sie kennen?

Eine 100-Prozent-Finanzierung kann sinnvoll sein, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen.

Entscheidend ist, dass Sie sich die monatliche Rate langfristig leisten können und genügend finanziellen Spielraum haben. Gleichzeitig sollte die Immobilie zu Ihrer Lebensplanung passen und nachhaltig finanzierbar sein.

Besonders sinnvoll ist diese Finanzierungsform, wenn Sie aktuell gute Konditionen sichern möchten und nicht mehrere Jahre auf den Aufbau von Eigenkapital warten wollen.

Wichtig ist jedoch, dass die Entscheidung nicht allein aus dem Wunsch heraus getroffen wird, schnell Eigentum zu erwerben. Eine saubere Planung ist unerlässlich.

100-Prozent-Finanzierung ist möglich – aber nicht für jeden geeignet

Eine 100-Prozent-Finanzierung kann den Weg ins Eigenheim deutlich beschleunigen. Gleichzeitig bringt sie höhere Anforderungen und Risiken mit sich.

Wer über ein sicheres Einkommen, eine gute Bonität und eine realistische Finanzplanung verfügt, hat gute Chancen, diese Finanzierungsform erfolgreich umzusetzen.

Am Ende entscheidet nicht die Höhe des Eigenkapitals allein, sondern die Gesamtsituation.

susanne-knofe Baufin-Experte

Susanne Knofe

|

Stand: 26. März 2026

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