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Steigende Baukosten - So stark sind die Baukosten 2022 angestiegen

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Susanne Knofe

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Expertin für Baufinanzierung

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Stand: 25.10.22

Das Wichtigste zu den steigenden Baukosten in 2022 im Überblick:

  • Die Baupreise sind zwischen 2010 und 2020 um rund 29 Prozent gestiegen.

  • Beim Erwerb von Immobilien zeigt sich eine regional abhängige Preissteigerung von 65 Prozent. Bei Bauland für baureife Grundstücke beträgt die Erhöhung ganze 102 Prozent.

  • Die steigenden Baukosten lassen sich auf mehrere Faktoren zurückführen: Lieferengpässe, Bauverzögerungen, höhere Energiepreise, CO2-Steuer und eine hohe Nachfrage durch Großabnehmer.

  • Bauherren sollten ihre bestehenden Bauverträge dahingehend prüfen, wer die Preissteigerungen trägt. Wer in Eigenregie baut, kann eine Nachfinanzierung über die bestehende Baufinanzierung, ein Nachrangdarlehen oder KfW-Förderkredite in Betracht ziehen.

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Steigende Baukosten schaden dem Baugewerbe und bringen Bauherren in finanzielle Notlagen. Denn 2021 und 2022 sind die Kosten für Baustoffe von Holz und Metall bis hin zur Farbe überdurchschnittlich gestiegen. In einem Zeitraum von zehn Jahren (2010 – 2020) haben sich die Preise um fast ein Drittel erhöht. In den nächsten zwei Jahren rechnen Experten mit einer weiteren Erhöhung um bis zu 20 Prozent.

Steigende Baukosten: Baupreise steigen so hoch wie seit Jahrzehnten nicht

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Baupreise in den letzten Jahren massiv gestiegen. Der Baupreisindex für Wohngebäude, der die Kosten der Immobilienerrichtung einbezieht, hat sich im Zeitraum 2010 bis 2020 um rund 29 Prozent erhöht. Der Preisindex für Bauland für baureife Grundstücke ab 100 Quadratmetern ist sogar um 102 Prozent gestiegen.

Der Häuserpreisindex wurde um bis zu 65 Prozent angehoben. Dieser misst die durchschnittliche Preisentwicklung für Wohnimmobilien wie Ein-und Zweifamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen. Hierbei ist jedoch regional zu unterscheiden, da die Immobilienpreise je nach Region stark schwanken.

 

Experten gehen davon aus, dass die Preise bis 2024 noch weiter anziehen werden. Vergleicht man die Kosten für Holz, Metall etc. von 2021 zu 2022 zeigt sich, dass die Prognosen richtig liegen. Denn noch immer ziehen die Preise an.

Hausbaupreise steigen um mehr als 16 Prozent

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Preise für einen konventionellen Neubau im August 2022 um 16,5 Prozent gegenüber August 2021 gestiegen. Auch innerhalb des Jahres 2022 kam es zu steigenden Baukosten. So erhöhten sich die Baupreise im Vergleich zwischen August und Mai 2022 um rund 2,6 Prozent.

  • Den größten Anteil machten die Rohbauarbeiten aus. Dazu gehören Beton- und Mauerarbeiten. Allein die Betonarbeiten sind gegenüber 2021 um 18,2 Prozent teurer geworden.

Wieso kam es zu steigenden Baukosten?

Mehrere Faktoren trafen aufeinander, die zu einer massiven Erhöhung der Baupreise führten. So kam es während der Pandemie zu erheblichen Lieferengpässen, was zu langen Verzögerungen auf den Baustellen führte. Mit der Knappheit an Baumaterialien und der damit verbundenen hohen Nachfrage sind die Baupreise gestiegen. Durch den Ukraine-Krieg gab es erneut Engpässe in den Lieferketten, was zu weiteren Verzögerungen führte, die teils noch immer anhalten.

Durch die höheren Energiekosten und die CO2-Steuer mussten die Hersteller ihre Preise weiter anpassen, um auf die wirtschaftliche Entwicklung zu reagieren. Hinzu kam eine hohe Nachfrage von Großabnehmern in den USA und China, was Materialien wie Holz, Stahl und Kunststoffe ebenfalls verteuerte und erneut zur Knappheit führte.

 

Neben den teureren Preisen für Baumaterialien schnellen auch die Kosten für Dienstleister und Handwerker in die Höhe. Unternehmen im Baugewerbe verzeichnen eine hohe Nachfrage, jedoch kommt es immer wieder zu langen Wartezeiten und Ausfällen aufgrund von Materialmangel oder Krankheit. Auch diese Faktoren wirken sich negativ aus und sorgen 2022 für steigende Baukosten.

Welche Baustoffe sind 2022 teurer geworden?

Im Frühjahr 2021 hat Holz den zunächst höchsten Preisanstieg verzeichnet. Durchschnittlich erhöhten sich die Preise um rund 61 Prozent. Danach folgten Kunststoffdämmplatten (20,7 Prozent), Bitumen (36,1 Prozent) und Metalle (25,4 Prozent). Neben dem Bauholz, das zwischenzeitlich nicht lieferbar war, führten die Engpässe und die steigenden Energiekosten auch zu einer erheblichen Preissteigerung für Betonstahl in Stäben (53,2 Prozent). All diese Materialien sind ein wesentlicher Bestandteil beim Hausbau, weshalb deren Preiserhöhungen signifikant für steigende Baukosten sorgten.

 

Mit der Verteuerung der Materialien sind die Preise für einzelne Baugewerke erheblich erhöht worden. Da die Holzpreise bereits Anfang 2021 gestiegen sind und es mit der Nachfrage durch amerikanische und chinesische Großabnehmer zu monatelangen Lieferengpässen kam, machen sich die höheren Kosten vor allem bei Zimmer- und Holzbauarbeiten bemerkbar. Doch auch andere Gewerbe mussten ihre Preise anpassen:

  1. Zimmer- und Holzbauarbeiten (+38,9 Prozent)
  2. Dachdecker und Dachabdichtung (+17,1 Prozent)
  3. Betonarbeiten (+16,5 Prozent)
  4. Estricharbeiten (+15,6 Prozent)
  5. Ausbauarbeiten (+13,5 Prozent)

 

Stand März 2022 l Quelle: Statistisches Bundesamt

Steigende Baukosten – das können Sie jetzt tun

Steigende Baukosten können einen Mehraufwand von mehreren Tausend Euro bedeuten. Baustellen stehen still und Einzugstermine rücken in weite Ferne. Viele Bauherren sorgen sich um ihre finanzielle Existenz. Doch was gilt für bereits geschlossene Bauverträge?

 

In der Regel dürfen sich steigende Baupreise nicht auf bereits bestehende Bauverträge auswirken. Denn diesen werden Festpreise zugrunde gelegt. Einen genauen Aufschluss liefert ein Blick in den eigenen Bauvertrag. Dort ist festgehalten, wer die Preissteigerungen trägt. Aber auch wer für Bauverzögerungen haftet. Dennoch machen viele Bauunternehmen Nachforderungen geltend, die sie mit den zusätzlichen Kosten bei der Materialnachbeschaffung begründen. In den meisten Fällen müssen die Bauherren nicht darauf eingehen, da es sich um eine einseitige Vertragsänderung handelt. Es kann ratsam sein, einen Anwalt hinzuzuziehen, um den Sachverhalt prüfen zu lassen und um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

  • Das Materialbeschaffungsrisiko liegt bei dem Bauunternehmen, wenn im Bauvertrag ein Festpreis vereinbart wurde. Dann muss der Bauunternehmer die zusätzlichen Kosten durch Preissteigerungen übernehmen.

Nachfinanzierung bei finanziellem Mehraufwand

Wer nicht mit einem Bauunternehmen baut, sondern das Eigenheim in Eigenregie errichtet, kann sich nicht auf Bauverträge berufen. In diesem Fall ist zu prüfen, ob die finanziellen Mittel ausreichen. Kreditnehmern wird stets ein Puffer von 5.000 bis 10.000 Euro empfohlen. Dieser kann unter Umständen aber zu gering sein, um die immensen Preissteigerungen zu tragen.

 

In diesem Fall kann eine Nachfinanzierung infrage kommen. Das bedeutet, der bereits bestehende Kredit wird aufgestockt. Die Nachfinanzierung können Bauherren bei ihrer finanzierenden Bank anfragen. Denn auch diese hat Interesse daran, dass das Bauprojekt abgeschlossen werden kann. Häufig sind die Zinsen für die Nachfinanzierung aber erheblich teurer.

 

Eine andere Option kann eine Nachrangfinanzierung sein. Dabei wird die Grundschuld nicht erstrangig im Grundbuch eingetragen, sondern an zweiter oder dritter Stelle. Daher hat diese Finanzierungsform keine Auswirkungen auf die bereits bestehende Baufinanzierung, die erstrangig im Grundbuch eingetragen ist. Als Alternative können auch Förderungen und Zuschüsse geprüft werden, etwa durch die KfW-Bank.

 

Als Baufinanzierungsexperten sind wir Ihnen behilflich. Wir prüfen für Sie, ob Sie Ihr Darlehen aufstocken können, ob eine Nachrangfinanzierung infrage kommt oder ob Ihnen geförderte Darlehen zustehen, um die Kosten für Ihr Bauvorhaben zu senken. Vereinbaren Sie jetzt gerne einen Termin mit uns und lassen Sie sich von unseren Spezialisten beraten.

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